Angedacht

„Heile, heile Segen, morgen gibt es Regen, übermorgen Schnee, und dann tut es nicht mehr weh!“ So oder ähnlich ist wohl jeder von uns als Kind getröstet worden nach einem Sturz auf dem Spielplatz oder bei einem einklemmten Finger an der Tür.
Wie gut, dass es jemanden gab, der uns dann zur Seite stand und die Schmerzen vertrieb.

Was aber, wenn die Nöte und Sorgen anhalten? Wenn andere uns Böses wollen. Wenn Leute wegen ihres Glaubens bedroht und verfolgt werden?
Daran denkt Paulus, als er seinen Brief an die Gemeinde in Rom schreibt.
Er sieht sogar die ganze Schöpfung bedroht von der Vergänglichkeit. „Ängstliches Harren der Kreatur“ -so nennt er das. Für ihn ist klar: Lange wird es nicht mehr dauern, dann kommt Christus wieder und mit ihm bricht die „herrliche Freiheit der Kinder Gottes“ an.

Seitdem ist viel Zeit vergangen.
Muss man das Leiden hinnehmen? Denn es gehört doch immer auch zum Leben dazu?
Darf man sich wehren? Man darf! Man muss!
Christlicher Glaube ist nicht eine fatalistische Haltung, die alles erträgt. Vertrauen auf Gott ist keine Vertröstung allein auf eine Welt, in der irgendwann alles besser wird.
Unser Glaube orientiert sich an Jesus, an seiner Haltung zum Leben und zum Leid. Er selbst ging die Probleme und Nöte seiner Mitmenschen und Umgebung zu seiner Zeit ganz konkret an. Doch selbst er sorgte nicht dafür, dass das Leid komplett verschwand.
Die Gemeinden, mit denen Paulus verbunden war, kannten genauso wie wir Freude und Leid. Doch beides lässt sich besser tragen, wenn andere mit dabei sind. Wenn sie mein persönliches Glück teilen, erst Recht aber auch Angst und Not. Wenn sie dann trösten, helfen, handeln - ganz wie beim „Heile, heile Segen…“

Im Hoffen darauf, dass  Christus jeden von uns einmal befreien will, kann ich schon jetzt gelassener, zuversichtlicher leben. Und das ist keine billige Vertröstung!

Solche Erfahrungen wünsche ich Ihnen/ Dir in der kommenden Zeit!
Herzlichst, Holger Sieweck