Angedacht

"Vergesst nicht, Gutes zu tun und mit anderen zu teilen; denn an solchen Opfern hat Gott Gefallen."  Hebräer 13,16

Wenn es denn so einfach wäre mit dem Tun des Guten.
Schon der Prophet Micha muss seine Landsleute ermahnen: „Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist…nämlich Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.“(Micha 6,8). Dabei ist es kein rein religiöses Thema. Erich Kästner bringt es in seinem Gedicht „Moral“ noch knapper, aber ebenso eindeutig auf den Punkt: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“ Der Apostel Paulus schließlich spricht ungemein ehrlich aus, was jedem von uns nicht fremd ist: „Denn das Gute, das ich will, das tue ich nicht; sondern das Böse…“ (Römer 7,19).
Warum ist das so?
Zum einen wird der Begriff „gut“ derzeit regelrecht inflationär gebraucht. Ständig umwirbt man uns mit guten Dingen und Angeboten, so als ob es nur noch Gutes gibt.  Zum anderen ist nicht automatisch das, was ich als gut empfinde, für einen anderen Menschen gleich ebenso gut. Da helfen auch entschuldigende Sätze wie „Ich hab es doch nur gut gemeint!“ nicht weiter.
Gutes tun – zur Zeit der urchristlichen Gemeinden, denen diese Worte aus dem Hebräerbrief galten, verstand man darunter vor allem die Hilfe für andere, besonders aber die Unterstützung der Armen und Leidenden. Die sollen keinesfalls vergessen werden und darum wird „das Gute“ auch klar und deutlich definiert. Gut ist, was mir wichtig und heilig ist und was ich, wo immer es geht, auch mit anderen teile.  Das Gute hat also immer eine Zielrichtung, ein Gegenüber, dem es gilt und für das ich mich einsetze. Es ist nicht nur das, was ich mal eben so aus dem Ärmel schüttele, sondern kann sogar mit einem Opfer an Zeit und Kraft verbunden sein.
Vielleicht wird uns das besonders deutlich, wenn wir Erntedank feiern, den Blick dabei auf den geschmückten Altar richten und uns erinnern, wie sehr wir beschenkt und gesegnet sind mit Nahrung und Wohlstand. Vielleicht macht es uns erst recht bereit, unser „Erntedankopfer“ zu bringen mit Lob und Dank,  aber eben auch konkreter Unterstützung für andere.
Am eindrücklichsten beschreibt der Psalm 23 das Gute, das Gott, unser Schöpfer und Hirte, für uns tut. In seiner Nähe kann unser Leben gelingen und  gesegnet werden. Gutes und Barmherzigkeit werden so folgen unser Leben lang….
Mit herzlichen herbstlichen Grüßen,
 Holger Sieweck